Nighters 69

Ich habe diese Kurzgeschichte geschrieben, als ich 16 war. Ich hab sie jetzt endlich ins Elektronische übertragen und hab mir gedacht, ich könnte sie hier posten.

Ich habe sie nur grob überarbeitet, deswg sind ein paar mittlerweile sehr unmoderne Wörter enthalten…aber aus dem Zusammenhang lässt sich erschließen, was sie in etwa bedeutet haben xD

 

Endlich der 7. November! Heute geht sie nicht in die Schule, wird den ganzen Tag im “Nighters 69” verbringen. Ihr ganzes Geld ausgeben. Zum ersten und letzten Mal zu sein, total besoffen sein. Alles vergessen. Und dann zu Marina gehen und sie fragen, wo genau am Hals man schneiden muss um zu sterben. Um dann ihr kurzes aber beschissenes Leben endlich zu beenden!

Sie hat in Foren geschrieben: “Hey Leute! Liebt ihr mich? Wollt ihr mich noch ein letztes Mal sehen? Es ist eure letzte Chance – ich meins ernst. Ich hab euch lieb – aber ich kann nicht mehr. Also, wollt ihr mich ein letztes Mal sehen? Kommt ins Nighters 69.”

  • Es sind nicht viele da, aber das hat sie auch nicht erwartet.
  • Zu ihrem Erstaunen sind einige gekommen.
  • Die Nachricht scheint sich verbreitet zu haben. Es sind viele da, die diese Foren gar nicht haben. Die wollen sie jetzt davon abhalten sich umzubringen. Aber sie haben keine Chance, sie ist felsenfest entschlossen.

Ihr Freund ist auch da. Mit ihm hat das Ende seinen Anfang genommen. Sie hat sich in ihn verliebt. Etwa gleichzeitig mit ihrer besten Freundin Lessy. Okay, nein, ganz so wars eigentlich nicht…

Lessy hat den Typen in der U-Nahn getroffen und mit ihm geflirtet. Später hat sie ihn bei einem dieser Internet-Foren wiedergefunden und als Freund geaddet. Das hat Lessy ihr erzählt. Sie und der Typ haben dann viel geschrieben und smst. Lessy hat ihr erzählt, dass Thomas – der Typ – nur das eine von ihr will – Buddan. Sie hat ihrer Freundin von Anfang an abgeraten es zu machen, sich darauf einzulassen. Gleichzeitig hat sie begonnen ins Nighters 69 zu gehen. Und damit hat das Schicksal seinen Lauf genommen. Aber erst noch von der ersten Begegnung zwischen Tomanius – wie er im Nighters genannt wird – und ihr.

Sie war im Nighters, das zweite Mal. Ist abseits gestanden, hat alles beobachtet, die Situation abgecheckt. Marina, wegen der sie hier war, hat sie stehen gelassen, ist nach hinten abgehaut.
Nach ein paar Minuten kam ein großer “Normalo” rein. In einem Szene-Lokal ist es auffällig, wenn plötzlich jemand reinkommt, der vollig normal aussieht; Weder Metaler, noch Emo, noch Punk oder etwas in die Richtung. Nicht mal Gabba oder Skater. Einfach normal. Sie dachte sich, dass der hier irgendwie nicht reinpasst.
Schließlich ist Marina doch wieder aufgetaucht und sie haben sich zu ein paar Mädls an einen Tisch gesetzt und mit denen geplaudert. Bis am Nebentisch der Name Tomanius gefallen ist. Sie war sich nicht sicher, ob sie sich vielleicht verhört hatte. Sie bat eines der Mädchen, den großen Normalo – der angesprochen wurde – zu fragen, wie er heißt. Wie erwartet war die Antwort Tomanius. Daraufhin meinte sie, dass sie eine Freundin von Lessy ist. Das war die erste Begegnung der beiden.

Und jetzt sitzt sie da, völlig zerstört und verletzt. Sie fragt sich nicht wieso. Wie ein einzelner Mensch so etwas anrichten kann. Sie hat aufgehört zu fragen, bekommt ja doch keine Antworten. Eigentlich ist sie ja auch selbst Schuld. Sie hätte sich eben nicht auf den Typen einlassen sollen. Hätte ihre beste Freundin nicht so verletzen dürfen. Aber sie war auch verletzt. Irgendwo war Lessy auch schuld. Ach ist jetzt eh schon egal…
Richtig kennengelernt hat sie Tomanius aber erst, als Lessy einmal mit im Nighters war. Um ihn zu treffen. Aber sie wusste nicht, dass es Les ernst mit Tomanius ist. Dass sie mehr als nur Spaß empfand. Sie hat jetzt noch im Kopf, wie grindig Les das Fett an ihm gefunden hat. Und als es dann passiert ist hat Lessy… nicht mit ihr geredet. War zu verletzt, geschockt, enttäuscht. Das wiederum hat sie nicht verstanden.
Sie war zu ungeduldig, das war ihr größter Fehler.

Sie hat sich gut mit Tomanius verstanden, ist mit ihm an einem Tisch gesessen, hat mit ihm gesoffen und Shisha geraucht. Irgendwann hat sie sich dann ein wenig in ihn verknallt, hat sich seinen Spitznamen in den Unterarm ritzen lassen.
Ein paar Tage später hat sie dann eingesehen, dass das nichts wird, dass Les viel besser ist als sie, dass er auf Les steht – und das Gefühl ging vorbei. Außerdem hatte sie ihrer Besten versprochen sich nicht mit ihm aufzuführen. Sie beschloß lesbisch zu werden.
Ein oder zwei Tage später hat Tomanius auf einmal begonnen sie zu betouchen. Ihr an die Innenseite ihrer Oberschenkel zu greifen. Sie hatte damals einen Rock an.
Sie war verwirrt, hat an Lessy gedacht, war hin und her gerissen. Wollte es einerseits. Auch wenn das Verknallt sein aufgehört hatte. Es war toll von einem Jungen begehrt zu werden. Andererseits dachte sie an Les, sie hatte es ihr versprochen…. doch sie war noch nie gut im Entscheidungen treffen, und diese durchzuziehen, gewesen. Sie hat es viel zu locker gesehen, nicht gesehen, wie sehr sie Lessy damit verletzt, Tominus Lügen geglaubt. War nicht sicher, wer die Wahrheit sagt, Lessy oder der Typ.
Sie stand vor der Wahl. Heute bereut sie ihre Entscheidung von damals so sehr. Les war ihr Leben. Les ist ihr Leben. Ohne Les hat das Leben keinen Sinn mehr.
Sie hat ihn geküsst. Sie hat sich von ihm anfassen lassen. Heute bereut sie es so sehr. Damals war sie glücklich. Glücklich und naiv. Sie weiß nicht wieso, aber sie hat das dann alles anders gesehen. Er wollte sie. Aber da gab es noch ein anderes Mädchen. Eine Lesbe. Sie hätte am Liebsten beide genommen. Tominus und das Mädchen. Tja, sie hat sich dann leider für Tominus entschieden. Hat sich mit ihm aufgeführt. Hat sich irgendwann von ihm küssen lassen. War alles egal.
Wenn sie heute daran zurück denkt, meint sie ziemlich alkoholisiert gewesen sein zu müssen. Dass sie wirklich dachte, Les müsse/würde sich freuen für sie. Sie weiß wirklich nicht mehr wieso.
Als es schon ne Zeit lang so dahin ging – Tominus hatte sie auch schon gefingert – ging sie auf die Toilette. Und am Weg dahin hat sie Lessy dann ne SMS geschrieben. Irgendwas in Richtung “omg” und “es tut mir leid” und “ich glaub, ich hab nen Freund – Tominus”.An diesem Tag haben die Mädchen wohl beide ihr Leben nicht mehr gepackt. Ab da ging es mit ihrer Freundschaft bergab. Damals verstand sie es nicht. Heute tut sie es – aber heute ist es zu spät. Viel zu spät. Lessy ist nicht hier. Sie ist verzweifelt. Kann ihre Freundin so gut verstehen. Einige ihrer Freunde weinen. Doch sie selbst weint jetzt am Meisten. All der Schmerz in ihr muss raus. Sie hat den wichtigsten Menschen ihres Lebens verloren. Und es ist ihre eigene Schuld. Sie hat das Vertrauen ihrer Freundin missbraucht, hatte ihr versprochen sich nicht mit Tominus aufzuführen. Hat mit ihm rumgemacht, ist mit ihm zusammen gegangen. Sie hat den wichtigsten Menschen ihres Lebens aufgegeben/verloren – für den Typen, der jetzt mit ein paar Kumpel am Nebentisch sitzt und säuft. Wie konnte sie ihre beste Freundin nur so verletzen? Wie konnte sie nur so naiv und blöd sein? Sie hasste sich selbst dafür. Der Typ war es nicht wert. Wie er da mit seinen Freunden sitzt, lacht, sich unterhält, säuft. Sie hasste ihn dafür. Doch am Meisten hasste sie sich selbst.

Sie will jetzt zu Marina. Will wissen, wie sie schneiden muss. Sie will sterben, steht langsam auf. Flüstert “Wo ist Marina?”, sieht sie an einem Tisch mit Freunden sitzen. Sie geht zu ihr, fragt sie, wo am Hals man schneiden muss, es war ihr jetzt egal, ob andere es mitbekamen oder nicht. Lois, der mit an Marinas Tisch saß, meint, man muss an der Halsschlagader schneiden, aber ziemlich tief.
Okay, sie will es machen. Sie hat keine Angst vor dem Schmerz. Kein Schmerz kann schlimmer sein, als der in ihr. Kein Schnitt tief genug, um den Schmerz zu vertreiben. Sie kann nicht mehr. Sie will nicht mehr. Der Schmerz ist zu groß. Sie will sterben. Nur noch sterben. Nicht mehr hier sein. Alles beenden. Sie greift zur Klinge, geht aufs Klo, hört eine Stimme, realisiert sie kaum. Sie kann nicht mehr. Hört die Stimme ihren Namen rufen. Weiß nicht, wem sie gehört. Sie setzt die Klinge an. Ein tiefer Schnitt, alles ist vorbei. Sie sinkt zu Boden, bleibt dort liegen. Alles um sie rum ist voller Blut. Sie vergießt keine Träne mehr. Lächelt in sich hinein. Jetzt ist es endlich vorbei. Realisiert jetzt, wem die Stimme gehört, die verzweifelt ihren Namen ruft. Lessy. Doch jetzt ist es zu spät. Sie hört Stimmen ihren Namen flüstern, sie willkommen heißen. Die Hand, die die ihre berührt, spürt sie nicht mehr. Sie lächelt. Es ist vorbei.

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