Dear my son..

Ich bin heute 22, in einem Monat wirst du 4. Es ist Fastenzeit und mein Freund und ich haben beschlossen, jeden Tag etwas zu schreiben.
Vor ein paar Tagen war “Schreibe einen Brief an dein 10-jähriges Ich”, was eigentlich Blödsinn war..die Vergangenheit kann man nicht ändern. Aber die Zukunft! Und so bin ich auf die Idee gekommen, einen Brief an “meinen” 10-jährigen Kilian zu schreiben. Vieles davon wird dir jetzt noch zu schwierig sein, du wirst einiges nicht verstehen. Heb dir den Brief auf und lies ihn mit 15 nochmal, dann wirst du so weit sein.
Ich hab dich lieb ❤

Intressanter Briefanfang…
…Fortsetzung ein paar Wochen später:

Lass dich niemals unterkriegen! Du bist du. Du bist toll, du bist wertvoll. Ich liebe dich. Und mit diesem Satz bin ich sehr sparsam geworden, seit mein erster Freund mich verlassen hat.
Diese Welt ist scheiße, ich hoffe für dich, dass du das nicht so siehst..aber wenn doch; Du bist nicht allein.
Es wird immer Menschen geben, die dich enttäuschen, und ich bin sicher, da oft dazugehört zu haben..es tut mir leid.
Aber es wird auch immer jemanden geben, der dich liebt. Gib den Glauben daran niemals auf! Und lass dir niemals einreden, du wärst minderwertig. Du bist wertvoll. Du bist kostbar. Es wird tausende geben, die das nicht sehen…warte auf die, die es tun. Du wirst verletzt werden. Oft. So ist diese Welt. Doch letztlich machen Wunden stärker. Du wirst deinen Weg finden. Suche und du wirst finden, vertraue und du wirst geleitet werden, liebe und du wirst irgendwann geliebt werden. Ja, daran glaube ich. Ich verstehe, wenn du es nicht tust..ich glaube für mich auch nicht mehr daran. Und ich bin jetzt 22. Ich sehe absolut keinen Sinn mehr.. Ich kann null mit Geld umgehen, ich bin einerseits extrem gierig und andererseits süchtig danach, anderen zu helfen. Ich hasse mich..und doch ist es die Wahrheit wenn ich sage, dass ich mich akzeptiere. Manche Leute mögen mich abnormal und krank nennen. Streite ich nicht ab. Krank ist jeder auf seine Weise, früher oder später.. Die Frage ist, wie du damit umgehst. Werden deine Fantasien Realität? Nein? Was sollte dann jemand für ein Problem damit haben? Bist du dir nicht sicher, ob sie es nicht doch mal werden? Tja, bin ich auch nicht.. Ich fühle mich, als wäre ich auf Messers Schneide. Auf einer Klippe, ein paar cm vom Abgrund entfernt. Wenn ich springe, mich fallen lasse, wird sich alles ändern, auf einen Schlag. Aber bisher hab ich es noch nicht getan und ich lebe seit Jahren mit diesem Wissen.. Es dringt immer mehr an die Oberfläche, ich offenbare immer mehr davon. Und erfahre Ablehnung deswegen. Es schmerzt, aber ich kann damit leben. Menschen, die mich nicht nehmen wie ich bin, will ich nicht in meinem Leben haben. Und ich bin eben kein oberflächlicher Mensch..stille Wasser sind tief.. Ouh ja, und wie tief ❗
Ich liebe dich mein Sohn, und ich weiß nicht, ob ich dich dies eines Tages wirklich lesen lasse…aber wenn, dann sei gewiss: Ich war nicht abnormaler, nicht kränker als jeder von uns.

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